Das Wichtigste zuerst
Was sagt die Prozessquote einer BU-Versicherung aus?
Die BU-Prozessquote – häufig auch Klagequote genannt – soll zeigen, wie häufig gerichtliche Auseinandersetzungen nach einer abgelehnten BU-Leistung auftreten beziehungsweise zuungunsten des Versicherers ausgehen. Welche Fälle tatsächlich gezählt werden, hängt jedoch von der Berechnungsmethode ab. Eine Prozentzahl ist deshalb nur zusammen mit Quelle, Zeitraum, Zähler und Bezugsgröße verständlich.
Nach der Methode von MORGEN & MORGEN werden verlorene Prozesse berücksichtigt. Gerichtliche Vergleiche fließen anteilig ein. Bezugsgröße sind abgelehnte BU-Leistungsfälle; zur Glättung werden die Zahlen der letzten drei Jahre zusammengefasst. Damit unterscheidet sich diese Quote von Auswertungen, die sämtliche Gerichtsverfahren ins Verhältnis zu Leistungsfällen oder regulierten Schäden setzen.
Die wichtigste Schlussfolgerung: Eine niedrige Prozessquote kann positiv wirken, beweist aber weder gute BU-Bedingungen noch eine faire, schnelle oder kundenfreundliche Leistungsprüfung. Sie ist ein ergänzender Vergangenheitswert – kein Testsieg und keine Zahlungszusage für einen künftigen Leistungsfall.
Nicht die Leistungsquote
Die Prozessquote misst keine Anerkennungsquote und sagt nicht unmittelbar, wie viele BU-Renten gezahlt werden.
Methodenabhängig
Unterschiedliche Zähler, Bezugsgrößen und Regeln für Vergleiche führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Nur rückblickend
Bestand, Neugeschäft, Bedingungen, Rentenhöhen und Fallzahlen können die Quote im Zeitverlauf verändern.
Entscheidend für jeden Vergleich
Wie wird die BU-Prozessquote berechnet?
MORGEN & MORGEN
Verlorene Prozesse werden ins Verhältnis zu abgelehnten BU-Leistungsfällen gesetzt. Vergleiche werden anteilig gewichtet. Die Daten der letzten drei Jahre werden zusammengefasst, um einzelne Jahre zu glätten.
Andere Klagequoten
Andere Auswertungen können sämtliche Gerichtsverfahren auf Leistungsfälle oder regulierte Schäden beziehen. Ein so berechneter Wert ist nicht direkt mit der M&M-Prozessquote vergleichbar.
Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht die Logik: Ergibt die gewichtete Zahl aus verlorenen Prozessen und anteilig berücksichtigten Vergleichen rechnerisch zwei Fälle bei 100 Ablehnungen, beträgt die Quote zwei Prozent. Das Beispiel erklärt nur das Verhältnis. Die tatsächliche M&M-Berechnung arbeitet mit den gemeldeten Daten und der geglätteten Dreijahresbetrachtung.
Warum Prozessquote und Klagequote nicht immer dasselbe meinen
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig gleichgesetzt. Fachlich sollte immer geprüft werden, ob tatsächlich alle Klagen, nur verlorene Prozesse oder zusätzlich gerichtliche Vergleiche gezählt werden. Auch der Nenner ist entscheidend: Ablehnungen, Leistungsentscheidungen und regulierte Schäden sind nicht dasselbe.
Unsere Tabelle zeigt die Prozessquoten für das abgeschlossene Datenjahr 2025 nach MORGEN & MORGEN.
Abgeglichener Datenstand
BU-Prozessquoten 2025 im Vergleich
| Versicherer | 2025 |
|---|---|
| AachenMünchener | k. A. |
| Allianz | 2,64 % |
| Alte Leipziger | 0,97 % |
| AXA | 0,48 % |
| Baloise (ehemals Basler) | 3,77 % |
| Barmenia | k. A. |
| Bayern Versicherung | 2,50 % |
| Canada Life | 0,00 % |
| Community Life | k. A. |
| Concordia Oeco | 0,00 % |
| Condor | 0,00 % |
| Continentale | 0,52 % |
| CosmosDirekt | 8,43 % |
| DBV | 0,48 % |
| Debeka | 2,62 % |
| Deutsche Ärzteversicherung | 1,63 % |
| DEVK | 0,00 % |
| DEVK Eisenbahn a. G. | 3,76 % |
| Dialog | 1,91 % |
| die Bayerische | k. A. |
| ERGO | 1,60 % |
| Familienfürsorge | k. A. |
| Generali | 0,87 % |
| Gothaer | 0,56 % |
| Hannoversche Leben | 0,00 % |
| HanseMerkur | 7,89 % |
| HDI | 0,36 % |
| Helvetia | 4,17 % |
| HUK24 | k. A. |
| HUK-COBURG | k. A. |
| Versicherer | 2025 |
|---|---|
| Inter | k. A. |
| InterRisk | k. A. |
| Itzehoer | k. A. |
| LV 1871 | 2,83 % |
| LVM | 0,81 % |
| Mecklenburgische | 4,23 % |
| Münchener Verein | 0,00 % |
| myLife | k. A. |
| Nürnberger | 1,17 % |
| Nürnberger Beamten | k. A. |
| Öffentliche Berlin | k. A. |
| Öffentliche Braunschweig | k. A. |
| Provinzial | 0,81 % |
| Provinzial Nordwest | k. A. |
| R+V | 1,40 % |
| Signal Iduna | k. A. |
| Sparkassen Versicherung | 1,82 % |
| Standard Life | 12,96 % |
| Stuttgarter | 3,02 % |
| Süddeutsche | k. A. |
| Swiss Life | 1,41 % |
| uniVersa | k. A. |
| VGH Versicherungen | 4,57 % |
| Volkswohl Bund | 4,02 % |
| VPV Lebensversicherung AG | 0,00 % |
| Württembergische | 4,55 % |
| WWK | k. A. |
| Zurich | 3,69 % |
Eine Quote von 0,00 Prozent bedeutet nicht, dass es keine Ablehnungen, Beschwerden oder außergerichtlichen Auseinandersetzungen gab. Sie bedeutet nur, dass nach der verwendeten Methode und Datengrundlage kein positiver Prozessquotenwert ausgewiesen wurde.
Die Zahl hinterfragen
Warum eine niedrige Prozessquote täuschen kann
- Ungünstige Bedingungen: Ist eine Klage wegen alter oder schwacher Klauseln aussichtslos, wird möglicherweise gar nicht geklagt. Das kann die Quote niedrig halten.
- Kleine BU-Renten: Bei geringen Leistungsansprüchen kann eine außergerichtliche Einigung wirtschaftlicher sein als ein langer Prozess.
- Bestandsstruktur: Alter, Größe, Tarifgenerationen und Verhältnis von selbstständiger BU zu Zusatzversicherung beeinflussen die Vergleichbarkeit.
- Neugeschäft: Junge Bestände können häufiger Streit über Gesundheitsangaben und die vorvertragliche Anzeigepflicht erzeugen.
- Keine Klage: Gesundheit, Kostenrisiko, fehlende Rechtsschutzdeckung und schlechte Erfolgsaussichten können Versicherte von einer Klage abhalten.
- Vergleiche: Ein gerichtlicher Vergleich kann für den Betroffenen sinnvoll sein, sagt allein aber nicht, ob die vorherige Leistungsprüfung fair war.
- Zeitverzug: Prozesse laufen teilweise über mehrere Jahre. Der veröffentlichte Wert bildet daher nicht nur Entscheidungen eines einzigen Kalenderjahres ab.
Auch eine hohe Quote ist nicht automatisch ein Beweis für unfaire Regulierung. Versicherer müssen unbegründete Ansprüche im Interesse des Versichertenkollektivs abwehren dürfen. Entscheidend ist, ob der konkrete Anspruch nach Vertrag und Sachverhalt berechtigt ist – und wie nachvollziehbar die Prüfung geführt wird.
Leistungspraxis im Gesamtbild
Tarife nicht nach einer einzigen Quote auswählen
Wir vergleichen Bedingungen, Beitrag, Rentenhöhe, Laufzeit, Finanzstärke und relevante Kennzahlen gemeinsam.
Kennzahlen sauber trennen
Prozessquote, Leistungsquote und Bedingungen vergleichen
| Kriterium | Was es zeigt |
|---|---|
| Prozessquote | Gerichtliche Auseinandersetzungen nach der jeweiligen Berechnungsmethode; rückblickend und stark erklärungsbedürftig. |
| Leistungsquote | Anteil anerkannter Leistungsanträge; ebenfalls durch Bestands- und Fallstruktur beeinflusst. |
| Versicherungsbedingungen | Vertraglicher Anspruch, etwa Definition der Berufsunfähigkeit, Verweisung, Prognosezeitraum, Nachprüfung und Mitwirkung. |
| Leistungsfallbegleitung | Wie der konkrete Anspruch aufbereitet, belegt und während der Prüfung fachlich begleitet wird. |
Für einen Neuabschluss sind die konkreten Bedingungen des angebotenen Tarifs, eine passende Höhe der BU-Rente, die richtige Versicherungs- und Leistungsdauer sowie vollständig beantwortete Gesundheitsfragen wichtiger als ein einzelner Ranglistenplatz. Bei Vorerkrankungen kann eine anonyme Risikovoranfrage helfen, unnötige formelle Anträge zu vermeiden.
Häufige Fragen
FAQ zur BU-Prozessquote
Was ist die Prozessquote bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung?
Sie setzt nach der verwendeten Methode bestimmte gerichtliche Auseinandersetzungen ins Verhältnis zu Leistungsablehnungen oder Leistungsfällen. Deshalb muss bei jedem Wert die Berechnungsmethode beachtet werden.
Ist eine niedrige BU-Prozessquote immer gut?
Nein. Bestand, Rentenhöhen, Vertragsbedingungen, Neugeschäft, Fallzahlen und die Bereitschaft der Versicherten zu klagen können den Wert beeinflussen. Die Quote ist nur ein ergänzender Vergangenheitswert.
Sind Prozessquote und Leistungsquote dasselbe?
Nein. Die Leistungsquote beschreibt den Anteil anerkannter Leistungsanträge. Die Prozessquote betrachtet gerichtliche Auseinandersetzungen nach einer bestimmten Berechnungsmethode.
Warum unterscheiden sich veröffentlichte Klagequoten?
Auswertungen können unterschiedliche Zähler, Bezugsgrößen, Zeiträume und Regeln für Vergleiche verwenden. Werte verschiedener Methoden dürfen daher nicht ungeprüft miteinander verglichen werden.
Was bedeutet k. A. in der Tabelle?
Für 2025 wurde in beiden abgeglichenen Veröffentlichungen keine Angabe ausgewiesen. Daraus darf weder eine gute noch eine schlechte Leistungspraxis abgeleitet werden.
Welche Kriterien sind bei der BU-Auswahl wichtiger?
Vorrangig sind passende Versicherungsbedingungen, korrekte Gesundheitsangaben, ausreichende Rentenhöhe und Laufzeit, finanzielle Stabilität sowie eine fachgerechte Antrags- und Leistungsbegleitung.
BU-Vergleich
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